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Haltungsbericht: Chlamydosaurus kingii

Vorkommen

Das Vorkommen von Chlamydosaurus kingii beschränkt sich in Australien auf die nördlichen Regionen von Westaustralien, Northern Territory und Queensland, in Neu Guinea leben diese Agamen an der südlichen Küstenlinie bis ca. 100 km ins Landesinnere. Sie sind tagaktiv und bewohnen offene Wälder und Buschland, wobei sie einen Grossteil des Tages senkrecht an einem Baum hängend verbringen, und den Boden mit ihren Augen nach etwas fressbarem absuchen.

Haltung in Gefangenschaft

Da Kragenechsen gerne klettern, benötigen sie neben einer relativ grossen Bodenfläche auch eine entsprechende Höhe des Terrariums. Die Angaben zur Terrarienmindestgrösse für zwei Tiere beginnen in der spärlich vorhandenen Literatur bei der Grösse einer Telefonzelle und gehen bis zu Angaben von drei bis vier Metern Seitenlänge. Ich für meinen Teil habe mich für ein Fünfeck-Terrarium mit 150 cm Seitenlänge entschieden, das den Rauminhalt von ungefähr 4 m3 aufweist und ca. 230 cm hoch ist. In diesem Terrarium sind verschiedene Klettermöglichkeiten in Form von Bäumen, Ästen, Seilen, Korkröhren und Bastmatten eingebracht, die auch rege benutzt werden. Der Bodengrund besteht aus einer ca. 10 cm hohen Sandschicht mit zum teil ziemlich grober Körnung und einigen Steinen. Beheizt wird das Terrarium durch zwei Spotstrahler mit 160 Watt, bzw. 300 Watt Leistung. Die Dauer der Bestrahlung ist unterschiedlich, wird aber zwischen acht und 14 Stunden aufrecht erhalten. Ergänzt wird das Ganze durch einen grossen Heizstein, auf dem die Tiere im Frühling und Herbst gerne mal liegen. Da diese Agamen einen hohen Anteil an UV-Licht benötigen, habe ich mich für den UV SunLux-Strahler von Hobby, sowie für die Osram Ultravitalux entschieden. Die Hobby-Strahler brennen bei mir das ganze Jahr (ausser in der winterlichen Ruhephase), und die Osram Ultravitalux hänge ich zwischen März und Mai auch den ganzen Tag ins Terrarium. In der Literatur wird normalerweise zwar nur eine tägliche Bestrahlung von 30 bis 60 Minuten empfohlen, aber durch die Höhe der Behausung gibt es auch bei ganztägiger Verwendung keine Probleme. In den Frühlings- und Sommermonaten übersprühe ich das Terrarium ein bis zweimal die Woche grosszügig mit Wasser, um eine Regenzeit zu simulieren. Die Tiere mögen ein direktes Besprühen überhaupt nicht, nutzen dieses Gelegenheit aber jedes Mal, um ausgiebig zu trinken. Frisches Wasser in einer Schale steht selbstverständlich auch jederzeit zur Verfügung, auch diese Wasserquelle wird regelmässig aufgesucht.

Zu beachten ist, dass beispielsweise Lüftungsgitter immer gut abgedeckt sind, damit die Tiere ihre Krallen nicht darin verfangen können. Trotz aller Vorsicht kann es sein, dass hin und wieder ein Finger abgerissen wird. Sollte das trotzdem mal passieren, verheilt die Wunde normalerweise problemlos und stellt auch keine Beeinträchtigung dar, sofern nicht zu viele Finger oder Zehen davon betroffen sind. Bis alles gut verheilt ist, muss man die Wunde gut im Auge behalten und ev. mit Betadine oder ähnlichem desinfizieren.

Beschreibung

Kragenechsen-Männchen können bis zu 90 cm lang werden, wobei ca. zwei Drittel dieser Länge auf den Schwanz entfällt. Die Weibchen bleiben etwas kleiner und gelten mit ca. 60 bis 70 cm als ausgewachsen. Sie sind mit maximal 400 Gramm auch deutlich leichter als die Männchen, die bis 900 Gramm schwer werden können. Vom Aussehen her ähneln sie den Bartagamen, auch wenn sie um einiges schlanker und weniger plump gebaut sind. Das herausragendste Merkmal bei einer Kragenechse ist wohl der namensgebende Kragen, der einen Durchmesser bis zu dreissig Centimeter erreichen kann. Wenn das Tier das Maul öffnet, spannt es automatisch Muskeln an, die mit dem Zungenbein verbunden sind. Diese Anspannung bewirkt das öffnen des Kragens ähnlich wie bei einem Regenschirm. Da dieser Mechanismus direkt mit dem öffnen des Maules zusammenhängt, kann man das auch schön beim fressen beobachten. Je nach Ursprung ist auch die Färbung der Tiere unterschiedlich, so wird berichtet, dass die am schönsten gefärbten Tiere aus Queensland und dem Northern Territory stammen, wobei die Farbe von gelb bis rötlich variieren kann. Ansonsten haben sie einen grauen bis braunen Grundton, der durch eine dunklere Fleckenmusterung unterbrochen wird. Ich habe festgestellt, dass sich die Intensität der Färbung sehr verändern kann, ausschlaggebende Faktoren scheinen Temperatur, Stress oder Trächtigkeit zu sein. Selbstverständlich wird dies auch durch die bisweilen einsetzende Häutung relativiert.

Nahrung

Kragenechsen sind reine Fleischfresser, wobei aber auch schon von Jungtieren berichtet wurde, die Kiwi- oder Orangenstücke gefressen haben. Dies konnte ich selber aber noch nie beobachten. Normalerweise hocken sie an einer Korkrinde oder am Baum und beobachten den Boden. Sobald sich dort was bewegt, springen sie herunter und machen sich über das Futtertier her. Ich füttere adulte Tiere im Abstand von zwei bis drei Tagen mit subadulten bis adulten Heuschrecken, da die genau wie die Kragenechse tagaktiv sind. Hin und wieder bekommt mein grosses Männchen auch noch eine Fauchschabe, die er auch dann annimmt, wenn er die Heuschrecken verschmäht. Man kann aber auch Grillen oder Babymäuse verfüttern, solange das Futter lebt und irgendwie ins Maul passt, wird es gefressen. Jungtiere ziehe ich mit Grillen und Heimchen gross, welche die ersten drei bis sechs Monate täglich angeboten werden. Die Futtertiere bestäube ich bei fast jeder Fütterung mit einer Mischung aus „Korvimin ZTV“, „Nekton-MSA“ und „Nekton-Rep Color“. Hin und wieder gebe ich auch noch pulverisierte Sepiaschalen in diesen Mix. Eine Schale mit Kalziumsand sollte im Terrarium ebenfalls nicht fehlen.

Verhalten

Bei mir rennen und klettern die Tiere meistens mehrere Stunden im Terrarium umher, wobei sie sich auch erstaunlich oft und lange am Boden aufhalten. Es gibt aber auch Tage, wo sie einfach nur faul herumliegen oder -hängen. Obschon Kragenechsen grundsätzlich Einzelgänger sind, rate ich jedem angehenden Halter, sich mindesten zwei Weibchen oder ein Pärchen zuzulegen. Die Tiere sind einiges aktiver, wenn sich noch ein Partner im Terrarium befindet. Mit einem Pärchen kann man auch das Verhalten untereinander besser beobachten, was besonders in der Paarungszeit sehr interessant ist. Mann muss aber unbedingt vermeiden, dass zwei Männchen zusammen gesetzt werden, da diese Ihr Territorium stark verteidigen und ein schwächeres Männchen durch Beissereien auch schwer verletzen oder wohl sogar töten können. Interessant ist auch die Fortbewegung: Sobald sie mehrere Meter zurücklegen müssen, rennen sie fast ausschliesslich auf den Hinterbeinen und verwenden den langen Schwanz zum balancieren. Bei der Verteidigung verlassen sich Kragenechsen zuerst auf ihre Tarnung oder versuchen, sich hinter einem Baumstamm zu verstecken. Wenn das nicht hilft, drohen sie mit aufgestelltem Kragen. Sollte man sie trotzdem packen, verwenden sie ihren Peitschenschwanz und versuchen, den „Angreifer“ damit zu treffen.

Wenn die Tiere am späten Nachmittag satt sind und langsam müde werden, hocken sie oftmals senkrecht an einem Ast und beobachten die Umgebung. Bisweilen suchen sie sich Plätze und Stellungen aus, die uns ziemlich unbequem erscheinen. Interessant ist die Thermoregulation, wobei sie bei übermässiger Hitze durch das geöffnete Maul atmen und so einen Teil der Hitze ableiten.

Winterruhe

In der Literatur wird eine zwei- bis dreimonatige Winterruhe von 17° bis 21° Celsius empfohlen, ich kann aber nicht bestätigen, dass dies auch tatsächlich notwendig ist. Ich beschränke mich in Zukunft auf eine zwei- bis dreiwöchige Absenkung der Temperatur auf Zimmerniveau, da mir letztes Jahr mein Zuchtweibchen bei der Winterruhe im Keller verstorben ist. Auch wenn man das Verbreitungsgebiet betrachtet, wird es dort kaum einmal über einen längeren Zeitraum dermassen kalt, dass eine klassische Winterrruhe tatsächlich notwendig erscheint. Es wird aber berichtet, dass die Tiere in den heissesten Sommermonaten eine Art „Sommerruhe“ durchführen. Werden die Temperatur zu hoch, verziehen sich die Tiere in die obersten Baumwipfel und verweilen dort über mehrere Tage/Wochen bewegungslos im Schatten, bis sich das Klima normalisiert hat.

Werbung/Paarung

Einige Wochen nachdem die Temperatur im Terrarium wieder hochgefahren wird, beginnt das Männchen mit der Werbung. Es setzt sich in die Nähe des Weibchens und beginnt mit halb geöffnetem Kragen, heftig mit dem Kopf zu nicken. Dieses Verhalten kann sich täglich über mehrere Stunden hinziehen. Wenn das Weibchen paarungswillig ist, streckt es zuerst den Kopf in die Höhe und beginnt dann, mit kreisenden Bewegungen den Kopf hin und her zu „schwanken“. Sofern der Bock dieses Zeichen als Zustimmung erkennt, rennt er auf das Weibchen zu, verbeisst sich in dessen Nacken oder Kragen und schiebt seine Schwanz ziemlich rüde unter den des Weibchens, um einen seiner Hemipenes einzuführen. Die eigentliche Paarung ist nach ein bis zwei Minuten vorbei.

Eiablage

Sofern das Weibchen erfolgreich begattet wurde, werden ca. zweieinhalb Wochen später sechs bis zwölf Eier abgelegt, die das Muttertier in leicht feuchtem Bodensubstrat vergräbt, und den Boden danach in stundenlanger Feinarbeit mit Kopf und Händen wieder zurechtklopft. Ein Weibchen kann bereits kurz nach der Eiablage erneut begattet werden, und so zwei bis drei Gelege pro Saison absetzen. Bei mir hat ein Kragenechsenweibchen letztes Jahr zwei Gelege mit acht, bzw. 10 Eiern produziert. Dieses Jahr habe ich zwei inzwischen zweijährige Weibchen. Von diesen beiden Weibchen habe ich dieses Jahr fünf Gelege mit durchschnittlich neun Eiern bekommen. Zwei der Gelege waren jedoch unbefruchtet, was am geringen Alter der Tiere gelegen haben könnte.

Zeitigung der Eier

Die Eier werden ausgegraben, in Vermiculite oder Perlit gebettet und in den Inkubator überführt. Dabei sollte beachtet werden, dass das Substrat nicht zu feucht ist: Ein Grossteil meiner letztjährigen Jungtiere entwickelten sich alle in ihren Eiern, verstarben aber schlussendlich, bevor sie das Ei verlassen konnten. Dass zu feuchtes Substrat die tatsächliche Ursache ist, kann ich derzeit nur vermuten, deshalb bin ich im Moment mit verschiedenen Substraten und Feuchtigkeiten am testen, wie die Schlupfrate gesteigert werden kann. In Perlit gebettete Eier muss man sehr gut überwachen, da das Substrat ziemlich rasch austrocknet, was mich diese Saison wohl einige Eier des ersten Geleges gekostet hat. Die Eier wachsen während der Inkubationsdauer, und erreichen bei Schlupfreife der Jungtiere das schäztungsweise doppelte Volumen, das sie bei der Ablage durch das Weibchen gehabt haben.

Abgesehen von der Feuchtigkeit des Substrates sollte darauf geachtet werden, dass die Luftfeuchtigkeit im Inkubator 85 bis 95 % beträgt, und die Temperatur zwischen 30° und 33° Celsius liegt. Nach 65 bis 75 Tagen sollten die kleinen Kragenechsen das Ei anritzen, und den Kopf herausstrecken. Danach verbleiben sie noch einige Stunden im Ei, bevor sie sich ganz befreien. Meine letztjährigen Babies waren beim Schlupf ca. 1.5 bis 3 Gramm schwer.

Aufzucht der Jungtiere

Ich überführe die Jungtiere die ersten Tage in ein mit feuchtem Haushaltspapier ausgekleidetes Aquarium, und achte durch mehrfaches tägliches Sprühen darauf, dass die Jungtiere nicht austrocknen. Bereits am zweiten Tag biete ich ihnen Mikroheimchen als Nahrung an, die sie auch schon bald zu jagen beginnen. Sobald sich die Bauchdecke geschlossen hat, setze ich die Tiere zusammen in ein grösseres Aufzuchtsterri, das mit Sand, Steinen und Ästen befüllt ist, damit sie ihrem Drang zu klettern nachkommen können. Die Geschlechtsreife erreichen die Tiere nach 12 bis 18 Monaten, die Lebensspanne beträgt laut Literatur ca. 6 bis 10 Jahre, wobei diese Angaben auf Schätzungen beruhen.

Geschlechtsbestimmung

Die Geschlechtsbestimmung bei subadulten Tieren ist so gut wie unmöglich, am besten sieht man die Geschlechter bei Jungtieren anhand des Schwanzansatzes. Nach zwei bis drei Monaten ist die Fettschicht am Schwanzansatz jedoch zu dick, um noch einen Unterschied zu erkennen. Bei mehrjährigen adulten Tieren ist die Unterscheidung auch wieder ziemlich einfach, da die Böcke einiges grösser werden, und an den Backen richtige Taschen ausbilden, die ihnen ein grimmiges Aussehen verleihen.

Sondierung scheint auch sehr schwierig zu sein: Bisher wurde jedes Tier, das ich zur Sondierung dem Tierarzt gebracht habe, als Männchen bestimmt, wobei inzwischen nachweislich drei Weibchen dabei waren.

Allgemeines

Kragenechsen sind in der Schweiz nicht haltebewilligungspflichtig, werden aber wohl wegen der benötigten Platzansprüche eher selten gehalten.

Literatur ist ebenfalls nur spärlich vorhanden, nachstehende Bücher, Publikationen und Webseiten empfehle ich jedem angehenden Kragenechsenhalter:

  • Bartagamen und Kragenechsen von Andree Hauschild und Hubert Bosch, NTV-Verlag, ISBN 3-931587-17-7 (in den Buchempfehlungen zu finden)

  • The Guide to Owning a Bearded Dragon von David Zoffer & Tom Mazorlig (englisch), T.F.H. Publications, ISBN 0-7938-0261-X
  • Reptilia Nummer 6, August 1997 mit einem Kragenechsen-Artikel von Andree Hauschild
  • Reptilia Nummer 50, Dezember 2004 mit einem Kragenechsen-Artikel von Thomas Hörenberg
  • http://www.pogona.ch
  • http://www.kingii.de
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