Allgemeines Reptilien Bildergalerie Biete/Suche Meine Links
Haltungsbericht: Acrantophis dumerili

Vorkommen

Acrantophis dumerili bewohnt, wie es der deutsche Name südliche Madagaskarboa bereits erahnen lässt, den südlichen Teil von Madagaskar, wie auch gemäss Trutnau die im indischen Ozean nähe Mauritius gelegene Insel Réunion. Die nachtaktiven Tiere bewohnen eher trockenere, aber begrünte Wiesen und Baumlandschaften. Tagsüber verstecken sie sich unter Ästen, Baumstämmen und in Erdhöhlen, um am Abend und in der Nacht aktiv zu werden.

Haltung in Gefangenschaft

Adulte südliche Madagaskarboas sind in erster Linie bodenbewohnend, Jungtiere sieht man aber auch hin und wieder klettern, sofern entsprechende Klettermöglichkeiten angeboten werden. Ich halte meine beiden Tiere in einem Holzterrarium mit den Massen 180 x 90 x 150 cm, wobei die Höhe von den Tieren kaum einmal ausgenutzt wird, und sie sich kaum einmal auf dem zur Verfügung stehenden Zwischenboden aufhalten. Das Terrarium ist mit Aussaterde und Pinienrindenstücken grosszügig beefüllt, da sich die Schlangen auch gerne einmal vergraben. Weiter habe ich ein grosses Wasserbecken im Behälter, welches aber nur äusserst selten zum Baden aufgesucht wird, einige umgedrehte Blumentöpfe entsprechender Grösse als Versteck, und dicke Äste zum gelegentlichen klettern, was aber ebenfalls kaum einmal geschieht. Beheizt wird das Terrarium über eine Heizmatte und einen 160 Watt Spotstrahler, welcher mittels Schutzkorb gesichert ist. Als Grundbeleuchtung dient eine Neonröhre, die ebenfalls durch eine Abdeckung vor Beschädigung geschützt ist. Die Dauer der Beleuchtung ist unterschiedlich, wird aber (je nach Jahreszeit) zwischen acht und 14 Stunden aufrecht erhalten. Durch ein mal wöchentliches Sprühen erhöhe ich die Luftfeuchtigkeit, achte aber darauf, dass die Tiere immer einen grosszügigen Trockenplatz zur Verfügung haben. Es sind keine Regenwaldbewohner, daher benötigen Sie keine allzu hohe Luftfeuchtigkeit.

Beschreibung

Die bis zwei Meter langen und bis fünf Kilogramm schweren Madagaskarboas haben ein sehr ansprechendes schwarz/erdfarbenes Fleckenmuster auf dem Rücken, das gegen die Seiten hin heller wird, und in ein hellgrau übergeht. Die Bauchseite ist beige mit gelgentlichen schwarzen Punkten. Die Tiere können einen beachtlichen Durchmesser von der Breite eines Männeroberarmes erreichen, der Schwanz ist kurz und abgerundet. Der kantige Kopf setzt sich deutlich vom Hals ab. Die Tiere erreichen enorme Kräfte, was man schon bei den Jungtieren erahnen kann, wenn sie sich mit dem Schwanz an der Hand oder am Arm festhalten.

Nahrung

Ich füttere meine Acrantophis dumerili mit subadulten bis ausgewachsenen Ratten, von dennen sie alle drei Wochen ein Exemplar zu fressen bekommen. Ich füttere meine Tiere einzeln, damit es keine Streitereien um die Futtertiere gibt. Zu beachten ist, dass zumindest meine Jungtiere anfänglich ziemlich zurückhaltende Fresser sind. In meinem ersten Wurf hatte ich ein Tier, das erst nach 6 Monaten selbständig Nahrung zu sich nahm, im zweiten Wurf verweigerte ein Jungtier sogar über einen Zeitraum von 10 Monaten jegliche Nahrung, ohne dass sich das signifikant auf sein Gewicht ausgewirkt hätte. Sobald sie aber den Dreh einmal raus haben, sind es gierige Fresser, und man muss aufpassen, dass sie nicht überfüttert werden. Mein adultes Männchen verweigert übrigens noch heute zwischen September und März/April jegliche Nahrung, dafür geht sie in den Sommermonaten umso rücksichtsloser auf die Futtertiere los.

Verhalten

Wie schon erwähnt, sind die Tiere nachtaktive Bodenbewohner. Tagsüber liegen sie in ihren Verstecken und ruhen sich aus, damit sie am Abend und in der Nacht im Terrarium herumstreifen können. Je grösser der Hunger, desto aktiver werden die Schlangen. Mein Pärchen ist das ganze Jahr zusammen im gleichen Terrarium, bisher waren sie immer friedlich untereinander. Ich weiss aber von einem Fall, wo ein adultes Tier ein anderes angegriffen und gefressen hat. Es gibt auch Berichte von Jungtieren, die sich gegenseitig aufgefressen haben. Inzwischen halte ich meine Jungtiere einzeln in eine Rack-Anlage, um solchen Situationen aus dem Weg zu gehen. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass die Berichte die Ausnahme bilden, und die Tiere normalerweise ohne Probleme zusammen gehalten werden können.

Paarung

Die Paarung findet bei meinen Tieren in der Regel Ende August/Anfangs September statt, kann aber bei einem kühlen Sommer auch schon früher einsetzen. Obschon dies von anderen Haltern/Züchtern beschrieben wird, konnte ich vor der eigentlichen Kopulation bisher kein Paarungsverhalten feststellen, wie es von anderen Schlangen berichtet wird (stimulation mittels Aftersporne oder ähnliches). Die Zeit zwischen Kopulation und Geburt betrug bei meinen Tieren bisher ca. 10 Monate, die Trächtigkeitsdauer wird in der Literatur aber mit ca. 8 bis 9 Monaten angegeben. Paarungen konnte ich bisher jedes Jahr beobachten, eine Trächtigkeit stellte sich bei meinem Weibchen nur alle zwei Jahre ein, wobei dies nicht die Regel sein muss.

Wurf der Jungtiere

Die Jungtiere wurden bei mir zu Hause immer tagsüber geboren, wobei bei der ersten Nachzucht 2004 vier gesunde, zwei verkrüppelte und ein totes Jungtier zur Welt kamen. Der zweite Wurf 2006 bestand aus neun gesunden Jungtieren. Die Babies häuten sich gleich in den ersten Stunden nach der Geburt und werden von mir raschmöglichst in die Aufzuchstboxen überführt, die die ersten Tage mit Zeitungspapier ausgelegt werden. Nach ca. einer Woche wechsle ich auf PH-neutrale Aussaterde, da sich die Jungtiere ebenfalls gerne im Substrat eingraben.

Aufzucht der Jungtiere

Die Babies wiesen bei mir bei der Geburt ein Gewicht zwischen 100 und 120 Gramm auf, und sind trotz ihrer stattlichen Grösse anfänglich ziemlich schreckhaft und stessanfällig, und einige können nur mit Mühe zum Fressen bewegt werden. Einzelhaltung ist da sehr hilfreich, bis sie selbständig und regelmässig fressen. Im ersten Jahr füttere ich nach Möglichkeit wöchentlich, so dass die Kleinen ziemlich rasch an Gewicht und Grösse zunehmen.

Geschlechtsbestimmung

Die Sondierung ist bei der südlichen Madagaskarboa nicht sonderlich schwierig, da die Babies schon bei der Geburt verhältnismässig gross sind. Ich sondiere die Tiere aber erst, wenn sie abgabebereit sind und bereits anstandslos fressen.

Allgemeines

Die südliche Madagaskarboa wird unter dem Schutzstatus WA I gelistet, gilt also auf Madagaskar als vom Aussterben bedroht. Inzwischen wird die Schlange aber von privaten Züchtern ziemlich häufig zur Vermehrung gebracht, so dass die Tiere auf dem heimischen Markt regelmässig angeboten werden. Sie benötigen in der Schweiz keine Haltebewilligung.