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Haltungsbericht: Calabaria reinhardtii

Vorkommen

Der Erdpython (Calabaria reinhardtii) lebt in Westafrika, genauer gesagt von Liberia bis Kamerun und südlich davon in Gabun und im Kongo. Sie teilen sich an gewissen Stellen ihr Verbreitungsgebiet mit dem Königspython (Python regius), scheinen aber feuchtere Gebiete zu bevorzugen.

Haltung in Gefangenschaft

Die Haltung des Erdpythons ist relativ einfach, die Zucht dagegen eine Herausforderung, die ich selber auch noch nicht gemeistert habe. Meine Tiere leben in einem Holzterrarium mit den Massen 120x80x70 cm, das mit einer Mischung aus Aussaterde, Sand und Blähton ca. 15 cm hoch aufgefüllt ist. Eine Neonröhre für die Grundbeleuchtung, ein kleiner Spot mit entsprechendem Schutzkorb, eine Wurzel zum klettern, verschiedene flache Korkstücke und zuguterletzt ein grosses Wassergefäss vervollständigen die Einrichtung. Ich für meinen Teil verzichte vollständig auf eine Bodenheizung, da sich vor Jahren eine dieser grabenden Schlangen trotz Befestigung unter die Heizmatte gezwängt, und ziemlich üble Verbrennungen davongetragen hat. Die Beleuchtung ist in den Sommermonaten ca. 13 Stunden, im Winter ca. 8 bis 10 Stunden eingeschaltet.

Beschreibung

Beim Aussehen des Erdpythons scheiden sich die Geister: Die einen finden die Tiere wegen ihres Körperbaus und den verschiedenen Brauntönen am ganzen Körper wunderschön, die anderen vergleichen sie verächtlich mit einem Haufen Fäkalien. Die Tiere werden ca. einen Meter lang und wiegen zwischen 400 und 600 Gramm, je nachdem, wie oft sie gefüttert werden. Die Grundfarbe ist ein kräftiges Schokoladenbraun, das am ganzen Körper mit unregelmässigen beigen Punkten durchsetzt ist. Die Zeichung setzt sich auch auf den Bauchschuppen fort. Aus Kamerun kommen Tiere, die anstelle der beigen Musterung rote Farbflecke aufweisen. In der Kloakenregion findet sich oft eine Manchette aus schneeweissen Schuppen, die wohl mithelfen sollen, einem potentiellen Fressfeind den Schwanz als „Kopfattrappe“ schmackhaft zu machen. Die Form der Tiere erinnert an einen überdimensionalen Regenwurm, der Kopf ist nicht vom zylindrischen Körper abgesetzt, der Schwanz ist kurz und abgerundet und hat die selbe Form wie der Kopf. Meine Tiere habe ich als subadulte/adulte Exemplare im Herbst 1998 bekommen. Sie sind also ca. 10 Jahre alt und erfreuen sich noch immer bester Gesundheit. Wie alt diese Schlangen tatsächlich werden können, ist zurzeit noch unklar.

Nahrung

Ich konnte inzwischen alle meine Tiere an junge Ratten gewöhnen, und wenn die Schlangen diese Futtertiere erst einmal akzeptiert haben, sind es gierige Fresser. Jedes meiner Tiere bekommt pro Woche drei bis vier leicht behaarte- oder Babyratten. Die Futtertiere werden nicht mit dem Körper umschlungen, sondern werden gegen die Wand der Futterbox gedrückt und so getötet. Diese Art des Beuteerwerbes kommt wohl daher, dass sie in freier Wildbahn in die versteckten Nagetierbauten hineinkriechen, und ihre Beute in den engen Gängen erlegen müssen.

Verhalten

Das Verhalten der Calabaria erstaunt mich immer wieder aufs Neue: Für „Erd“-Pythons klettern die Tiere sehr gerne und geschickt, ausserdem sind sie auch während des Tages sehr oft und lange zu sehen. Unter die Erde verziehen sie sich eigentlich nur, wenn sie sich gerade in der Häutung befinden. Dann können sie während der gesamten Häutungsphase zu einer Kugel zusammengerollt in der Erde verharren, und sich erstmalig beim Abstreifen des Natternhemdes wieder an der Oberfläche zeigen. Neben dem Verbreitungsgebiet, haben sie auch die Verteidigungstaktik mit dem Königspython gemein: Wenn Gefahr droht, ballen sie sich zu einer festen Kugel zusammen, die auch mit grösserem Kräfteaufwand kaum mehr aufzukriegen ist. Dies ist vor Allem bei einer notwendigen Zwangsfütterung lästig, da man immer mindestens eine Hand zu wenig zur Verfügung hat. Dieses passive Verteidigungsverhalten verlieren die Tiere aber nach einigen Monaten in Gefangenschaft. Ein aktives Verteidigungsverhalten kann so gut wie nie beobachtet werden, die Tiere versuchen so gut wie nie zu beissen. Einzig, wenn man ihnen ihr Gelege wegnehmen will, schnappen sie mit ihren kleinen Mündern nach der Hand des Pflegers.

Werbung/Paarung

Paarungsverhalten konnte ich bisher im Frühjahr, wie auch im Herbst beobachten. Das Männchen schleicht in dieser Zeit hinter und neben einem Weibchen her, und stimuliert das Weibchen mit seinen Afterspornen. Dieses Schauspiel kann tagelang beobachtet werden und endet schlussendlich in der Paarung der beiden Tiere. Gemäss Literatur sollten die Tiere vor und während der Paarungszeit überaus stark gefüttert werden, da vor Allem das Weibchen nur bei sehr guter Fütterung genug Fettreserven hat, um die überdurchschnittlich grossen Eier zu produzieren. Bei ungenügend ernährten (nicht zu verwechseln mit unterernährten) Tieren werden bloss Wachseier abgelegt.

Eiablage

Nach einer Trächtigkeitsdauer von ca. 110 Tagen legt das Weibchen zwei bis vier sehr grosse Eier ab. Die Eier sind bis zu 14 cm lang und haben den Durchmesser des Muttertieres. Bisher ist meinen drei Weibchen die Eiablage insgesamt vier mal gelungen, in drei Fällen waren die Eier aber unbefruchtet, beim letzten Gelege wurden zwei befruchtete, und ein unbefruchtetes Ei abgelegt.

Zeitigung der Eier

Die Zeitigung der Eier stellt ein fast unlösbares Problem dar. Bisher habe ich erst von drei erfolgreichen Inkubationen in Deutschland, und einer Handvoll in Amerika gehört. Dies liegt wohl zum einen daran, dass der Erdpython ziemlich selten in Gefangenschaft gehalten wird, und zum anderen ist zu wenig über das Brutverhalten in freier Natur bekannt. Die herkömmliche Inkubation bei hoher Luftfeuchtigkeit scheint in den allermeisten Fällen zu scheitern. Die Eier verpilzen nach fünf bis 10 Tagen und sind unrettbar verloren. Gabriele und Holger Hortenbach haben in ihrem Artikel über die Nachzucht von Calabaria reinhardtii (Salamandra Band 34 vom 30. Juni 1998) aber genau diese Inkubationsmethode verwendet, und waren in der Zucht mehrfach erfolgreich. Meine Überlegungen sind daher, dass den Tieren in Gefangenschaft eine Substanz oder eine Stimulanz fehlt, die sie in freier Wildbahn bekommen. Aus diesem Grund könnten die abgelegten Eier nicht lebensfähig oder sehr anfällig für Pilzerkrankungen sein. Ich versuche daher verschiedene Stimulationsmethoden, angefangen bei UV-Bestrahlung über Abgabe von Vitaminen, bis hin zu verschiedenen Materialien, die für die Inkubation der Eier verwendet werden.

Geschlechtsbestimmung

Eine Geschlechtsbestimmung scheint anhand der Aftersporne ziemlich eindeutig zu sein. Bei den Weibchen sind keine Aftersporne spürbar, die Männchen weisen ca. 2 bis 3 mm lange Sporne auf.

Allgemeines

Calabaria reinhardtii ist in der Schweiz nicht haltebewilligungspflichtig, wird aber selten in Gefangenschaft gehalten, und wurde gemäss meinem Wissenstand in der Schweiz noch nie zur Nachzucht gebracht. Aus diesem Grund sind wohl alle auf dem Markt erhältlichen Tiere Wildfänge, die oftmals in erbärmlichen Zustand Europa erreichen und aus diesem Grund anfänglich recht schwer zu halten sind. Innere wie auch äussere Parasiten sind in diesen Fällen eigentlich die Regel. Ausserdem verweigern die Tiere zu Anfang jegliches Futter, die Zwangsfütterung ist auch sehr schwierig. Oftmals versterben die so importierten Schlangen einige Wochen oder Monate nach dem Verkauf durch den Zoofachhandel. Meine eigenen Erfahrungen sind da ebenfalls sehr unterschiedlich: Die ersten vier Tiere, die ich vor acht Jahren bekommen habe, hatten anfänglich zwar das Futter verweigert, waren aber sonst gesund und gedeihten prächtig. Von weiteren sechs Tieren, die ich im vergangenen Herbst bekommen habe, sind vier innert kürzester Zeit trotz Tierarztbesuch und Medikamentenabgaben verstorben. Aus diesem Grund werde ich in Zukunft auf weitere Wildfang-Einkäufe verzichten. Im Moment habe ich einen Bestand von 3.3 und ich hoffe, dass mir die Zucht doch noch gelingen wird. Dies wäre eine Möglichkeit, in der Schweiz einen Nachzuchten-Grundstock zu legen, damit diese aussergewöhnlich interessante Schlange vermehrt den Weg in heimische Terrarien findet, und nicht mehr auf Wildfänge zurückgegriffen werden muss.

Der Erdpython ist auch in der Literatur nur selten vertreten. Nachstehend gebe ich trotzdem noch einige Hinweise auf Lesestoff zu Calabaria reinhardtii:

  • Salamandra Band 34 – Heft 2 vom 30. Juni 1998 mit einem Artikel über Haltung und Zucht von Calabaria reinhardtii von Gabriele und Holger Hortenbach

  • Reptilia Nummer 38, Dezember/Januar 2003 mit einem Erdpyton-Artikel von Stefan Seidel
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